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Das Kind von Buchenwald
Stefan Jerzy Zweig nahm sich am Donnerstag nachmittag die Zeit, eine Veranstaltung bei uns
zu machen. Wem er noch nicht bekannt ist: seine Geschichte in den ersten Lebensjahren war
die Vorlage für das weltbekannte Buch von Bruno Apitz: "Nackt unter Wölfen". Ein
kleines Kind kommt ins Lager und die politischen Häftlinge beschließen, es wie viele andere
auch unter ihre Fittiche zu nehmen und ihm das Überleben zu ermöglichen.
Hier las Stefan Jerzy Zweig Ausschnitte aus einem Vortrag unter dem Titel "Ein
Menschenleben". Er hielt ihn zuerst auf einer Tagung in der Psychatrischen Abteilung
der Universität Wien, die zum Gedenken an die Kinder, die durch Euthanasie ermordet wurden.
Die Tagung stand unter dem Motto "Die Wissenschaft gegen die Menschlichkeit". Er
ging in bewegender Weise auf die Traumatisierung von ehemaligen KZ-Häftlingen und ihre
unsensible Behandlung in der heutigen Zeit ein. Das Thema Konzentrationslager hat ihn sein
Leben lang begleitet, weil er mit etwa 3000 ehemaligen Häftlingen Interviews geführt hat.
In der nachfolgenden Diskussion beklagte er die Verwissenschaftlichung des Umgangs mit
ehemaligen Häftlingen. Dazu zitierte er einen ehemaligen Häftling, der gemeint hatte, daß
heutzutage Zeitzeugen, die in KZ gewesen waren, sich von Wissenschaftlern bestätigen lassen
müssen, daß ihre Erlebnisse wahr sind.
In der nachfolgenden Diskussion übte er scharfe Kritik an dem Museum für die "Opfer
des Stalinismus". Die Frage sei, warum ein Museum für Nazis gebaut worden sei und
keins für die Juden, für die Sinti und Roma, die Homosexuellen... Es ist zu merken, daß in
der Gedenkstätte kein einziger ehemaliger Häftling mehr mitarbeitet. Als ein Problem
benannte er, daß die meisten ehemaligen Häftlinge kein Deutsch verstehen und damit keine
Kritik an der aktuellen Gedenkstättenpolitik üben würden. Mit seinen klaren Worten sprach
er uns aus der Seele. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, in Zukunft die Kritik die wir
haben und die er hat, zusammenzuführen.
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